Historie für Hördt

Bewertung Standort Hördt aufgrund der Deutsch-Französischen Vereinbarung

Bei der damaligen Retentionsflächen-Standortauswahl standen vor allem technische und wirtschaftliche Gesichtspunkte im Vordergrund. Wegen der markanten Abgrenzung zum Hochufer und der großen Ausdehnung von zusammenhängendem Offenland, wäre das Tiefgestade in Hördt inklusive dem NSG* sehr gut als Retentionsraum* geeignet. Nach Berechnungen der Landesregierung könnte sie je nach Maßnahme etwa 20 Mio. m³ Wasser fassen. Somit wäre fast die Hälfte der verpflichteten 44 Mio. m³ an gesteuerter Rückhaltefläche geschaffen.                       

Naturschutzgebiet „Hördter Rheinauen"

Eine Überflutung in Hördt stand jedoch unter dem Vorbehalt des Ergebnisses einer Umweltverträglichkeitsprüfung, denn bereits 1966 wurden die etwa 818 ha großen, überregional bekannten „Hördter Rheinauen" als wichtiges und wertvolles Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es handelt sich hierbei um einen international bedeutsamen, naturnahen Regenerationsbereich mit noch ökologisch intakten Landschaftszellen, der fast vollständig von Wald bedeckt ist. Hinter dem Rheinhauptdeich* finden sich beispielsweise 44 gefährdete Pflanzenarten und 50 „Rote Liste"* Vögel. Das größte NSG der Pfalz ist gleichzeitig ein europaweites Vogelschutzgebiet und beherbergt zahlreiche Biotope* und Arten von europäischer Bedeutung (Vgl. Kinzelbach R.K.; Sommer O.,1981; Struktur- u. Genehmigungsdirektion Süd;  Die Rheinpfalz, 1997)

Ergebnis:

Man stellte fest, dass große Bereiche, die eine hohe Sensibilität gegenüber Überflutung haben, von einer Hochwasserrückhaltung betroffen wären. Die Risiken wurden im Vergleich zu anderen Standorten als besonders hoch eingestuft. Somit wurde der Standort Hördt damals nicht weiterverfolgt (Vgl. Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz).

Für die Gemeinde Hördt und seine Bürger war dies ein akzeptables Ergebnis, denn so konnte das NSG „Hördter Rheinauen" als Naherholungsraum erhalten bleiben. Zudem musste die Landwirtschaft keine Flächen opfern und die ohnehin schon schlimme Stechmückenplage weitete sich nicht noch aus.

Enquête-Kommission 1995

Der rheinland-pfälzische Landtag hat auf Empfehlung seiner Enquête-Kommission* 1995 die Landesregierung aber aufgefordert, dass die Hördter Rheinaue im Gegensatz zu den früheren Planungen doch in eine Fortschreibung des Hochwasserschutzkonzeptes miteinbezogen werden soll. Dies sollte in der Form geschehen, dass in Hördt sowohl das Ziel einer Auenrenaturierung* als auch ein wesentlicher Beitrag zum Hochwasserschutz erreicht wird. Zudem wurden frühzeitig die von dem Vorhaben Betroffenen und die im Raum zuständigen Entscheidungsträger und Interessensvertreter der verschiedenen Sektoren (Raumplanung, Wasserwirtschaft und Binnenschifffahrt, Naturschutz und Landespflege, Land- und Forstwirtschaft, Rohstoffgewinnung, Grundstückseigentümer, Gemeinde Hördt, Vereine) in Form von „Runde-Tische-Gesprächen"* in den Planungsprozess miteinbezogen.

Zwischen September 1999 und Juli 2000 wurden mehrere dieser Gespräche geführt, um über das Projekt zu informieren und über seine Realisierbarkeit sowie seine Randbedingungen zu diskutieren (Vgl. Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz).

Die Diskussionen erbrachten nicht die von der Landesregierung gewünschte breite Zustimmung für eine bestimmte Variante.