Ökologische Flutung

„Nasse Füße“ für Hördter Rheinaue ?

Im inzwischen abgeschlossenen Moderationsverfahren Hördter Rheinaue wurde neben der Lage und Größe des Reserveraums (bis zu 873 Hektar = über 1000 Fußballplätze) unter anderem auch die ökologische Flutung dieses Gebietes diskutiert. Das heißt, man will an bis zu 159 Tagen im Jahr das Wasser des Rheins in den Reserveraum einfließen lassen bis zur Höhe von ca. 6,20 m am Pegel Maxau.

Bei den topografischen Verhältnissen in der Rheinaue wird es aber nur schwer zu einer richtigen Durchströmung, sondern zu großen stehenden Wasserflächen in den tiefen Wald- und Feldflächen kommen, insbesondere auch ortsnah entlang des Michelbachs (Altrhein). Die Landwirtschaft wird dadurch in allen betroffenen Gemeinden erhebliche Schwierigkeiten bei der Bewirtschaftung der Felder im Reserveraum haben. Viele Flächen werden überhaupt nicht mehr zu bewirtschaften sein.

Darüber hinaus werden die kieshaltigen und durchlässigen Bodenschichten zu weiteren Vernässungen auch außerhalb des Reserveraumes führen, die direkt Wohn- und Gewerbegebiete sowie Freizeitanlagen beeinträchtigen können.

Klimaveränderungen und Versumpfung ?

In den weltweiten Untersuchungen und Klimamodellen zeigt sich ein bestürzend schneller Umbau des Weltklimas mit immensen Auswirkungen auch auf unsere Breitengrade. Dabei geht eine aktuelle Untersuchung des Umweltbundesamtes vom Januar 2007 von spürbar höheren Temperaturen und heftigeren Überschwemmungen aus. Besonderes für den schon sehr milden Oberrheingraben werden die Tropennächte und Hitzewellen merkbar zunehmen. Dazu kommt eine deutliche Erhöhung der winterlichen Durchschnitts-Bodentemperatur.

Zeitgleich mit diesen sehr ernstzunehmenden Vorhersagen will man direkt vor unserer Haustür jetzt trotzdem künstlich ein neues Feuchtgebiet schaffen und nimmt dafür eine erhebliche Verschärfung der Schnakenplage in Kauf.

Auch wenn im Moderationsverfahren versucht wurde, unsere vehement vorgetragenen Bedenken zu entkräften, kennen die hier lebenden Bürgerinnen und Bürger die Zustände der letzten Jahre allzu gut, wenn ein hoher Wasserstand mit hohen sommerlichen Temperaturen zusammentrifft.

Erhöhte Ganzjahrestemperaturen mit tropischen Sommernächten können in solchen Feuchtgebieten zudem schon ausgerottete Krankheiten wieder begünstigen und entstehen lassen. In diesem Zusammenhang weist auch Greenpeace Deutschland auf ihrer Homepage darauf hin, dass viele Erreger auf dem Vormarsch in die gemäßigten Klimazonen und damit auch in die Industriestaaten sind.

Ökologische Flutung und Katastrophenfall ?

Im Katastrophenfall wird man deutlich weniger Wasser in den Reserveraum „einlagern“ können, weil sich dieser schon bei steigendem Rheinwasserstand auffüllt und die tiefen Geländeteile und Gewässer schon überschwemmt sind, bevor der Einsatzfall des Reserveraumes eintritt. Die dann schon stark durchnässten und versumpften Böden des Raumes werden zudem deutlich weniger oder kein weiteres Wasser mehr aufnehmen.

Fazit:

Unter dem Thema Hochwasserschutz für Katastrophenfälle wurde die Diskussion um diesen Reserveraum in Hördt begonnen. Dafür haben auch wir als Freie Wähler - Aktive Bürger Hördt Gesprächsbereitschaft bekundet. Doch die danach ins Spiel gebrachten ökologischen Flutungen lehnen wir eindeutig ab.

Sie reduzieren die Wirksamkeit des Reserveraumes im Katastrophenfall und erhöhen die unkalkulierbaren Risiken der Klimaveränderung für die Anliegergemeinden. Diese geplante künstliche Renaturierung halten wir für eine „ökologische Spielerei“, die unsere Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt und dem Hochwasserschutz nichts bringt.

Freie Wähler – Aktive Bürger Hördt